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Kirche und Corona - eine besondere Herausforderung

|   News aus Rosengarten

Spagat zwischen Nähe am Menschen und Kontaktvermeidung!

Seit letzter Woche befindet sich Deutschland erneut im Lockdown. Hotels, Gastronomie sowie Sport-und Fitnessstudios müssen schließen, Schulen und Kitas bleiben geöffnet.

Während im Frühjahr auch die Kirchen schließen mussten, können sie jetzt – unter Einhaltung der Corona-Regeln – weiter Gottesdienste feiern und den Konfirmanden-Unterricht fortsetzen. Wie geht der Ev.-luth. Kirchenkreis Hittfeld mit seinen 17 Kirchengemeinden damit um, in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung zur Eindämmung des Coronavirus beizutragen, aber dennoch weiter dicht an den Menschen zu sein und sie seelsorgerlich zu begleiten?

 

Superintendent Dirk Jäger sieht diesen Spagat als besondere Herausforderung, warnt aber zugleich vor theologischer und juristischer Überfrachtung. „Anders, als es leider auch manche Kirchenvertreter beklagen, sehe ich das Grundrecht auf freie Religionsausübung in keiner Weise gefährdet. Gerade in schwierigen Zeiten haben Christen trotz äußerer Einschränkungen immer Wege gefunden, ihre Gemeinschaft im Glauben zu leben. Ich bin selber Risikopatient und muss sorgfältig und verantwortlich für mich selbst und meine Mitarbeitenden abwägen, wie unser Dienst jetzt aussehen kann. Solche Überlegungen schwächen aber keineswegs meinen Glauben, der mich seit über fünf Jahrzehnten begleitet und stärkt. Was wäre er denn wert, wenn mich schon die überschaubare Zumutung, für ein paar Wochen Kontakte per Telefon oder digital zu pflegen, von ihm abbringen würde? Ich bin dankbar dafür, dass uns Gott nicht nur Nächstenliebe aufgetragen, sondern auch mit Vernunft ausgestattet hat, und sehe mit Freude, wie kreativ und differenziert im Kirchenkreis danach gesucht wird, was jetzt wirklich zu tun und zu lassen ist.“

 

„Wir fokussieren uns auf das kirchliche Kerngeschäft, in der Regel sind dies Gottesdienste, Konfirmandenunterricht und seelsorgerliche Begleitung. Was vor Ort konkret möglich ist und was zu lassen ist, entscheiden die jeweiligen Kirchenvorstände, weil die Bedingungen vor Ort jeweils sehr unterschiedlich sind“, sagt Pastor Dr. Florian Schneider von der Ev.-luth. Lutherkirchengemeinde Neu Wulmstorf.

„Die Menschen haben in der ersten Phase Kirche und das gemeindliche Angebot vermisst. Für mich ist es eine wichtige Entscheidung, dass die Kirchen und Gemeindehäuser nicht einfach wieder zu schließen sind und sich digital melden, sondern auf verantwortlicher Basis mit einem umsetzbaren Hygienekonzept Begegnung, Austausch und Fortgang der Dienstgeschäfte ermöglichen“, sagt Pastorin Dorothea Blaffert von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Rosengarten. Der Kirchenvorstand diskutiere die Corona-Beschlüsse und das verantwortbare Handeln in sehr guter Weise.

 

Superintendent Dirk Jäger ist täglich im Gespräch mit den Pastorinnen und Pastoren im Kirchenkreis Hittfeld und weiß vom großen Engagement vor Ort: „Wir lassen die Menschen nicht allein. Aber es muss auch nicht alles real stattfinden. Wir nehmen unsere Fürsorgepflicht sehr ernst – für die Mitglieder unserer Gemeinden, aber eben auch für ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende. Zudem sind wir auch im engen Kontakt zum Landkreis Harburg und halten das Zusammenwirken in verlässlicher Absprache in diesen Zeiten für unabdingbar.“ „Wir haben jetzt erst einmal das Gemeindeleben massiv heruntergefahren und es ins Digitale verlagert. Eine verantwortliche Abwägung zwischen Nähe zum Menschen und Kontaktvermeidung ist gefordert. Nur mit dieser „Gelenkigkeit“ können wir unserer „doppelten Mission“ gerecht werden“, sagt Pastor Florian Schneider.

Zum ersten Mal wird auch die Sitzung der Kirchenkreissynode, dem „Parlament“ im Kirchenkreis, am Donnerstag, 12. November, digital per Zoom-Konferenz gehalten. Ein erster Probedurchgang mit der neuen Technik verlief ohne Probleme.

 

Die Kirchengemeinden im Kirchenkreis Hittfeld haben im ersten Lockdown neue digitale wie analoge Formate geschaffen und können daher an Vieles anknüpfen, wie Live-Stream-Gottesdienste, Video-Gottesdienste, geistliche Impulse auf YouTube, Andachten auf Instagram. Auch analog können sie an Bewährtes aus der ersten Phase anknüpfen, wie Briefe an Bewohner in Altenheimen, Telefon-Andachten, Nachbarschaftshilfen, Andachten zum Mitnehmen an Kirchtüren oder die Beratung am Telefon.

 

Nicht alles ist digital vorstellbar: „Wir werden den Ewigkeitssonntag am 22. November in mehreren, kleinen Gottesdiensten feiern. Viele Menschen beklagten die besonderen durch die Pandemie verursachten Belastungen, die sich bei der Begleitung Sterbender und Trauernder ergaben. Es wurde so empfunden, dass an der Würde von Trauerfeiern heftig gekratzt wurde. Ein „realer“ Gottesdienst am Ewigkeitssonntag kann den angerichteten Schaden hoffentlich mildern, indem er noch einmal an die Verstorbenen erinnert“, sagt Pastor Schneider.

 

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Superintendent Dirk Jäger (l) mit seinen Stellvertretern Pastorin Dorothea Blaffert und Pastor Dr. Florian Schneider. Foto: Carolin Wöhling