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Forschungsverbund ForuM

Kurzdarstellung der Fallstudie zum "Fall Nord_Niederachsen" 

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Der Forschungsverbund „ForuM – Forschung zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und anderen Missbrauchsformen in der evangelischen Kirche und Diakonie in Deutschland“ hat das Ziel, eine Analyse evangelischer Strukturen und systemischer Bedingungen, die (sexualisierte) Gewalt und Machtmissbrauch begünstigen, vorzulegen. Somit soll eine empirische Basis für weitere Aufarbeitungsschritte der evangelischen Kirche und Diakonie gelegt werden. Forschung im Kontext von Aufarbeitungsprozessen kann Wissen und Grundlagen zur Verfügung stellen, nicht jedoch weitere eigenständige Schritte der institutionellen Aufarbeitung, Anerkennung und Erinnerung der evangelischen Kirche und Diakonie ersetzen. Dem Forschungsverbund ForuM gehören Forschende aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen an (Soziale Arbeit, Geschichtswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Soziologie, forensische Psychiatrie, Sexualwissenschaft, Kriminologie). Koordiniert wird der Forschungsverbund an der Hochschule Hannover. In den Teilprojekten sind Menschen, die sexualisierte Gewalt im Raum der evangelischen Kirche und Diakonie erfahren haben, in verschiedenen Formen beteiligt.

Das Teilprojekt A betrachtet das Gewaltgeschehen aus historischer Perspektive. Dafür wird es in seinen Verbindungen zu dem jeweiligen gesellschaftlichen System und den präsenten kirchlichen wie gesellschaftlichen Diskursen zu Gewalt, Moral und Sexualität gesetzt. Mit der eingenommenen historischen Perspektive wird der evangelische Umgang mit sexualisierter Gewalt an diesem Fallbeispiel exemplarisch aufgezeigt und in seinem zeitlichen Verlauf interpretiert.

Das Teilprojekt B hat zum Ziel, die Systematisierung organisationaler und personaler Entstehungsbedingungen sowie die empirische Untersuchung bisheriger Aufarbeitungsprozesse von sexualisierter Gewalt zu beleuchten. Beides dient als Grundlage für die zukünftige Prävention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im evangelischen Bereich. Dabei wird die Praxis der Aufarbeitung als ein eigener Prozess begriffen, der in Abgrenzung zu sogenannter Aufdeckung von Gewaltkonstellationen steht und ebenso nicht mit Schutz- und Präventionskonzepten gegen sexualisierte Gewalt zu verwechseln ist. Die institutionelle Aufarbeitung der skizzierten Gewaltkonstellation steht noch am Anfang, neben dieser Betrachtung wird ein Fokus auf dem Aufarbeitungsverständnis und entsprechenden Handlungsmustern der beteiligten Akteur:innen liegen.

FALLSTUDIE „FALL NORD_NIEDERSACHSEN“

In Kooperation zwischen zwei ForuM - Teilprojekten (Teilprojekt A „Evangelische Spezifika: Kirche und Gesellschaft“ und Teilprojekt B „Organisation und Person: systemische Bedingungen und die Praxis der Aufarbeitung (sexualisierter) Gewalt“) wird das Gewaltgeschehen, welches sich mutmaßlich von den 1970er bis 1990er Jahren in evangelischen Gemeinden in Wolfsburg und im Landkreis Harburg abgespielt hat, aus verschiedenen Perspektiven untersucht.

Dabei ist der Einbezug des von uns aktuell „Fall Nord_Niedersachen“ genannten Falls, eine Fallstudie im Rahmen der Teilprojekte des Forschungsverbundes ForuM. Es liegt hier keine weitere separate Beauftragung der Landeskirche Hannovers vor und entsprechend gelten hier die zwischen Forschungsverbund und der EKD vereinbarten Rahmenbedingungen. Der Forschungsverbund „ForuM“ arbeitet eigenständig und unabhängig. Die im Forschungsverbund zusammengeschlossenen Universitäten, Hochschulen und Institute sind von der evangelischen Kirche, der Diakonie oder anderen Institutionen unabhängig. Die wissenschaftliche Untersuchung wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2023 abgeschlossen sein. Im Rahmen der Veröffentlichung der Gesamtergebnisse des Forschungsverbundes werden auch die Ergebnisse der Fallstudie „Fall Nord_Niedersachsen“ vorgestellt.

FORSCHUNGSVORGEHEN IN ERHEBUNG UND AUSWERTUNG „FALL NORD_NIEDERSACHSEN“

Die empirische Quellenbasis wird durch drei verschiedene Zugänge erschlossen: Durch Interviews mit Betroffenen und weiteren an dem Fall beteiligten Akteur:innen (1), durch archivalische Quellen (2), sowie durch veröffentlichte Quellen (3). Mit einer multiperspektivischen Herangehensweise, die es erlaubt, die Perspektiven vieler Akteur:innen innerhalb wie außerhalb der Kirchen zu identifizieren und zu beschreiben, fassen wir den ausgewählten Untersuchungsgegenstand in Form einer dichten Beschreibung. Mit einer rekonstruktiven Analysehaltung sollen ebenso Aussagen über Faktoren und Merkmale getroffen werden können, die fall- und milieuspezifisch sind, wie auch Merkmale von Gewaltgeschehen benannt werden, die darüberhinausgehende stabile und gleichbleibende Strukturmerkmale sexualisierter Gewalt sind.

Ziel ist es dabei eine wissenschaftliche Fallstudie zum „Fall Nord_Niedersachsen“ vorzulegen, die dann seitens der Landeskirche, der Gemeinden und weiterer Akteur:innen als Grundlage für weitere Aufarbeitungsschritte genutzt werden kann.

Als Ansprechpartner:innen freuen sich über Ihre Kontaktaufnahme und stehen für Rückfragen zur Verfügung:

TP A
„Evangelische Spezifika: Kirche und Gesellschaft“

Dr. Johanna Sigl

Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg Beim Schlump 83 1⁄2 20144 Hamburg sigl@zeitgeschichte-hamburg.de
+49 40-4313 9724

Projektleitung:

Prof. Dr. Thomas Großbölting (FZH)
Prof. Dr. Martin Wazlawik (HS Hannover)

TP B „Organisation und Person: systemische Bedingungen und die Praxis der Aufarbeitung (sexualisierter) Gewalt“

Johanna Forth M.A.

Bergische Universität Wuppertal Gaußstraße 20 1⁄2 42119 Wuppertal forth@uni-wuppertal.de
+49 202 439 5348

Projektleitung:

Prof. Dr. Fabian Kessl (Universität Wuppertal) Prof. ́in Dr. Friederike Lorenz (FH Potsdam)

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Hilfe für Betroffene sexueller Gewalt

Anlaufstellen für Erwachsene, die in ihrer Kindheit/Jugend sexuelle Gewalt erlebt haben.

 

Im Landkreis Harburg:

 

 

Fachberatungsstellen

 

Im Landkreis Stade:

 

 

Im Landkreis Rotenburg:

 

 

 

Anlaufstelle Hamburg-Harburg:

 

 

 

 

Zentrale Anlaufstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche und Diakonie:

 

Ansprechstelle für Opfer sexualisierter Gewalt
der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

 

Frauennotruf Hannover